Eine ehrliche Reflexion über einen Bereich, in den ich heute nicht mehr ohne Weiteres gehe
In den ersten Jahren als Erotikfotograf wurde ich auch für Etablissement-Webseiten gebucht. Bilder von Modellen für Profile, die online beworben werden sollten.
Dieser Artikel ist eine kritische Rückschau – kein Werbeartikel. Wer eine Lobeshymne erwartet, ist hier falsch. Fotografie ist eine Dienstleistung, aber als Dienstleister habe ich auch eine Verantwortung dafür, was mit meinen Bildern passiert.
Was mir bei diesen Aufträgen aufgefallen ist
Mehrere Punkte, die mich nachdenklich gemacht haben:
1. Bestellt hat fast nie das Model selbst. In rund 95 Prozent der Fälle kam die Buchung vom Betreiber des Etablissements – nicht von der Person, die fotografiert werden sollte.
2. Sprachbarrieren waren der Normalfall. Sowohl die Betreiber als auch die Modelle waren oft kaum der deutschen Sprache mächtig. Englisch reichte nur teilweise. Das macht die Arbeit als Fotograf schwer: Man kann der Person vor der Kamera nicht das Gefühl von Sicherheit und Klarheit geben, das nötig ist, um gute Bilder zu machen.
3. “Schnell und perfekt” als Vorgabe. Der Wunsch nach möglichst schnellen Shootings hat einen ökonomischen Hintergrund. Mir wurde irgendwann klar, dass Fotografie hier den Modellen indirekt Geld kostet, weil sie in der Shooting-Zeit nichts anderes machen können.
4. Die Bilder wurden teils massiv geschönt. Die Differenz zwischen Bild und Realität war manchmal so groß, dass ich mich gefragt habe, was ich da eigentlich bediene.
Meine heutige Linie
Ich rede die Modelle nicht schlecht – nicht für ihr Aussehen, nicht für ihre Lebensumstände, nicht für ihre Entscheidungen. Jeder Mensch hat das Recht, so zu leben, wie er möchte.
Was ich aber differenziere, ist die Auftragslage: Mit wem ich arbeite und unter welchen Bedingungen. Wenn ich nicht direkt mit der zu fotografierenden Person sprechen kann, wenn klare Sprachbarrieren bestehen, wenn die Bilder offensichtlich zur Täuschung dienen – das sind heute Gründe, einen Auftrag abzulehnen.
Warum ich das aufschreibe
Weil dieser Artikel zur Branche gehört. Und weil ich glaube, dass Fotografen sich öffentlich zu ihren ethischen Grenzen positionieren sollten. Es macht das Geschäft transparenter – für Kunden genauso wie für Modelle.
Wenn du als Person oder als Veranstalter überlegst, ein Shooting zu buchen und dir Wert auf Augenhöhe wichtig ist: Schreib uns → – wir besprechen vorher alles im Detail.
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